Filterblasen sind normal – sie platzen leider nicht so leicht #filterblase

Von | 31. M├Ąrz 2017
Filterblase

Filter spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle. Sie sch├╝tzen und k├Ânnen zugleich einengen. Filterblasen gab es jedoch schon immer. Sie zum richtigen Zeitpunkt zum platzen zu bringen, das ist die Kunst.

Die Diskussion verstehe mal einer. Filterblasen, angeblich ├╝berall im Internet. Jeder ist bedroht und gefangen. Raus aus deiner Filterblase, jetzt!

Als wenn das Filtern an sich eine neue Erfindung oder tiefe Bedrohung w├Ąre, die es zu ├╝berwinden gilt. Dieses Internet macht uns noch ganz unsozial und zu einseitigen Meinungsb├╝rgern.

Nun mal langsam. Um mich nach Au├čen hin abzuschotten, brauche ich kein Internet. Wir sind fast alle irgendwo in Filterblasen, hallo? Meint ihr nicht, vor vielleicht 10 Jahren, dass sich viele in der Filterblase „Tagesschau“ befanden? Oder in der Blase „Sonntagszeitung“ und „Klatschpresse“? Und als das Internet noch jung war, kam Google und steckte uns alle in unsere eigenen kleinen digitalen Filterblasen. Danach kamen Facebook, Twitter und einige mehr und die Blasen wurden gr├Â├čer.

Was Filterblasen mit der Realit├Ąt zu tun haben

Es gibt eine sch├Âne Leserdiskussion auf sz.de zum Thema, auch mit unterschiedlichen Meinungen dazu. Matt Woodsen schreibt auf Twitter: „Realit├Ąt ist auch eine Filterblase“. Genau so sehe ich das auch. Wir umgeben uns freiwillig mit den Meinungen und Personen, die wir leiden k├Ânnen und deren Weltbild mit unserem m├Âglichst ├╝berein stimmt. Ansonsten sind wir recht schnell in unserem Urteil und meiden den Kontakt.
Das ist gelebte Praxis, seit ewig schon. Ich lasse doch auch offline nur Personen in mein Haus, denen Ansichten in einem Minimum mit meinen ├╝bereinstimmen. Von denen ich vielleicht noch was lernen kann und deren Informationen in meinem Themen- bzw. Interessensfeld f├╝r Auftrieb sorgen k├Ânnen.

Wir filtern uns unsere Blase st├Ąndig selbst zurecht

Deshalb kann ich die Diskussion um Filterblasen nur teilweise zustimmen. Auch mein Blog ist eine Filterblase. Hier kommt nur rein, was ich f├╝r richtig halte. Und Kommentare anders denkender werden dreimal ├╝berflogen und ├╝berlegt, ob das so stehen bleiben darf. Meistens schon, ich reagiere entsprechend darauf.

Ich bewege mich selbst viel auf Seiten, die mir zusagen und gefallen. Wo meine Meinung geh├Ârt wird, meine Fragen beantwortet werden und mir ein Wiedersehen leicht gemacht wird. Warum denn auch nicht? Das tun alle anderen auch. Anders herum gefragt: Wessen RSS-Reader besteht mehr aus f├╝r denjenigen interessanten Themen als aus Artikeln, die nicht┬áin irgendeiner Form┬árelevant sind? Geht doch auch technisch gar nicht anders. Wer soll das alles lesen…

Alle Blogger da drau├čen wissen vermutlich, wie schwierig es sein kann, auf fremde Meinungsseiten (andere Blogs, Newsseiten aus entgegen gesetzten Meinungsdunstkreisen) zu verlinken und diese einzubeziehen. Wenn ├╝berhaupt verlinkt wird, doch das ist ein anderes Thema.

Unser Gehirn filtert grunds├Ątzlich und mistet st├Ąndig aus. Das passiert immer und automatisch und ist obendreis sogar h├Âchst gesund. Bewusste Anerkennung anderer Quellen und Meinungen kostet Energie. Kostet Eingest├Ąndnis, Empathie. Das muss man wollen.

Die Gefahr von Filterblasen

Es lohnt sich jedoch, diese Energie aufzubringen, ├╝ber den Tellerrand zu schauen und andere Meinungen zuzulassen. Reibung ist spannend und bereichernd f├╝r das eigene Leben. Auch das ist normal und bedarf┬áeigentlich keiner besonderen Erw├Ąhnung. Im Zuge der Filterblasen-Diskussion haben es vielleicht nur einige (der Betroffenen) vergessen. Pieks! Diese Blase sollte jetzt geplatzt sein.

Wenn der „Pieks“ nicht von alleine kommt, dann bitte mit Unterst├╝tzung. Das ist┬án├Ąmlich┬ádie andere, weniger sch├Âne Seite von Filterblasen. Steckt man drin, erkennt man es meisten allein sehr schlecht oder hat gar nicht mitbekommen, dass man drinsteckt.┬áDa braucht es externe Hilfe und eine Nadel von au├čen, um die Blase zum platzen zu bringen. Mir nahestehende Menschen erkennen hoffentlich (rechtzeitig), wenn ich mich verrenne, komische Aussagen treffe oder sogar Andeutungen mache, die anderen nicht gut tun w├╝rden.

Mal wieder ein toller Podcast, den ich zum Thema geh├Ârt habe: Oliver Leisse und Frank Eilers ├╝ber Filterblasen. Kann ich empfehlen. Filterblasen k├Ânnen n├Ąmlich auch gef├Ąhrlich werden. Jeder kann da reingeraten. Auch diejenigen, von denen man das am wenigsten erwartet. W├Ąhlen wir unsere „Pieks“ also mit Bedacht und Obacht.

Wie denkt ihr ├╝ber Filterblasen?

Bild von SplitShire